MARVOW 2.0. Abschlusskonferenz: „Unseen no more!“ – Gewalt an älteren Frauen sichtbar machen
Am 3. Februar 2026 findet in Brüssel die Konferenz “Unseen no more! Policies and partnerships to protect older women from violence” statt – ein zentraler Höhepunkt des EU-Projekts MARVOW 2.0.
Die Veranstaltung bringt europäische Entscheidungsträger:innen, Vertreter:innen der Zivilgesellschaft und Fachpersonen aus der Praxis zusammen, um die im Projekt erarbeiteten Ergebnisse vorzustellen.
MARVOW 2.0 vernetzt seit seinem Start 2019 und nun schon in der zweiten Laufzeit Expert:innen, Unterstützungsdienste und politische Akteur:innen aus ganz Europa, um einen koordinierten, multiinstitutionellen Ansatz zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen ältere Frauen zu entwickeln. Im Rahmen des Projekts wurden u. a. Risikobewertungstools, Schulungen für Fachkräfte und die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Diensten erarbeitet. Diese Ergebnisse stehen im Mittelpunkt der Diskussionen in Brüssel.
Konkrete Empfehlungen
Bei der MARVOW 2.0-Abschlusskonferenz werden insbesondere die im Projekt erarbeiteten Empfehlungen für den politischen Rahmen auf EU-Ebene sowie für die jeweiligen Partnerländer vorgestellt.
Für Österreich lauten die Empfehlungen: Das Modell der koordinierten, multiinstitutionellen Zusammenarbeit in Fällen von Gewalt gegen ältere Frauen soll systematisch implementiert werden, alle relevanten Interessengruppen einbeziehen und eine kontinuierliche Verbesserung der Richtlinien und Verfahren innerhalb der beteiligten Institutionen gewährleisten.
Zu diesem Zweck sollen regelmäßige, systemweite Steuerungsgruppen nach dem Vorbild des MARVOW‑2.0-Ansatzes eingerichtet werden. In diesen Sitzungen können die teilnehmenden Institutionen ihre Zusammenarbeit überprüfen, systemische Herausforderungen diskutieren und Verbesserungen auf politischer und prozeduraler Ebene identifizieren. Ebenso sollen sichere und vertrauliche Kommunikationskanäle geschaffen werden, um den Austausch von Instrumenten und Informationen zu erleichtern, die das Verständnis für die spezifischen Formen von Gewalt gegen ältere Frauen fördern.
Im Zweifelsfall muss der Schutz der Opfer Vorrang vor Datenschutzbedenken haben. Ergänzend wird die Einführung eines regional angepassten, alterssensiblen Rahmens empfohlen, der systemische und kulturelle Barrieren berücksichtigt. Darüber hinaus sollen altersspezifische Protokolle in polizeiliche und gerichtliche Verfahren integriert, eine nationale Sensibilisierungskampagne mit Schwerpunkt auf Gewalt gegen ältere Frauen umgesetzt und finanzielle Mittel für altersgerechte Unterstützungsdienste gesichert werden.

Über "Unseen no more!"
Die Konferenz wird vollständig in Präsenz abgehalten und umfasst Vorträge, Panel-Diskussionen und Fachgespräche, in denen Wege erörtert werden, wie politische Strategien, partnerschaftliche Kooperationen und institutionelle Netzwerke verbessert werden können, um ältere Frauen vor Gewalt zu schützen. Ziel ist es, die Erkenntnisse aus MARVOW 2.0 einer breiten europäischen Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen und den Dialog zwischen Praxis, Politik und Zivilgesellschaft zu vertiefen.
Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) leitet das Projekt seit seinem Start 2019 und setzt seine koordinierende Rolle mit MARVOW 2.0 seit April 2023 erfolgreich fort.
Weitere Informationen zu MARVOW 2.0 und der „Unseen no more!“-Konferenz finden Sie auf der Projektwebsite: marvow.eu und marvow.eu/unseen-no-more-conference
Häusliche Gewalt zu Weihnachten ernst nehmen
Hilfe bei Gewalt gibt es in Österreich rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Die Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555) ist für Betroffene und Angehörige auch während der Weihnachtsferien und an Feiertagen 24/7, kostenlos und anonym erreichbar.
Die Weihnachtszeit gilt als Fest der Familie. Für viele Frauen bedeutet sie jedoch zusätzlichen Stress und ein erhöhtes Risiko für häusliche Gewalt. Enge Zeitpläne, finanzielle Sorgen und emotionale Spannungen können Konflikte in gewaltvollen Beziehungen verschärfen. Viele Betroffene suchen erst nach den Feiertagen Hilfe – oft, um die scheinbare Harmonie für Kinder oder Angehörige aufrechtzuerhalten.
Gewalt ist jedoch niemals hinzunehmen, unabhängig von Feiertagen oder besonderen Anlässen. Wer akut bedroht ist, sollte nicht zögern: Das „Fest zu retten“ darf niemals wichtiger sein als die eigene Sicherheit.
"Gewalt muss niemand aushalten – egal ob Weihnachten, Ostern oder Geburtstag ist."
- Elisabeth Cinatl, Vorsitzende des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)
Gewalt ist keine PrivatsacheAuch Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen, Freunde und Angehörige spielen eine entscheidende Rolle. Häusliche Gewalt geht häufig mit sozialer Isolation einher, wodurch Betroffene kaum selbst Hilfe holen können. Werden Schreie, Hilferufe oder bedrohliche Situationen wahrgenommen, ist es richtig und wichtig, die Gewalt zu unterbrechen – ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Das kann bereits ein Klingeln bei der Gegensprechanlage sein. Bei Unsicherheiten kann man sich bei der Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555) beraten lassen. In akuten Notfällen ist die Polizei zu rufen – bereits ein begründeter Verdacht reicht aus. Abseits akuter Gefahr können vertraute Personen Unterstützung anbieten, indem sie Betroffene behutsam, ohne den gewalttätigen Partner und ohne Druck ansprechen. Oft braucht es Zeit, bis eine betroffene Person bereit ist, Schritte zu setzen. Diese Unterstützung ist jedoch ein wichtiger Beitrag, um langfristig aus der Gewaltspirale auszubrechen. Beratungsstellen wie die Frauenhelpline stehen nicht nur Betroffenen selbst, sondern auch besorgten Angehörigen zur Seite. Das wichtigste: Nicht wegschauen. Aufmerksamkeit, Zivilcourage und frühzeitiges Handeln können Leben schützen – gerade in einer Zeit, in der viele Betroffene besonders allein sind.
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Unterstützung bei Gewalt für Betroffene, Angehörige und Nachbarn
Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555
HelpChat www.haltdergewalt.at
Bei akuter Gefahr: Polizei 133
Weitere Informationen unter www.frauenhelpline.at
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JEDE 3. – Unsere Online-Kampagne macht auf Gewalt an Frauen aufmerksam Frauenhelpline 0800-222-555 – Hilfe bei Gewalt. Wir sind für dich da.
Jede dritte Frau in Österreich erlebt körperliche und/oder sexualisierte Gewalt. Auf dieser Statistik basiert die neue Online-Kampagne „JEDE 3.“ des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF), die zum Auftakt der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen österreichweit startet. Die 16 Tage gegen Gewalt finden jährlich vom 25. November (Internationaler Gedenktag gegen Gewalt an Frauen) bis 10. Dezember (Tag der Menschenrechte) statt. Weltweit wird in diesem Zeitraum auf das Ausmaß und die Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam gemacht. Kampagnenmaterialien Download: Instagram: @autonomefrauenhäuser
Facebook: verein.aoef Credits: © AÖF / Steffi Sobotka
![]() Das Kampagnenmotiv (© Steffi Sobotka) zeigt drei rote Lilien – eine davon ist eingeschnürt. Das Bild steht stellvertretend für die vielfältigen Abhängigkeitsverhältnisse sowie für Angst, Scham und die Furcht vor Konsequenzen, die für viele Betroffene eine wesentliche Rolle dabei spielen können, ob und wann Unterstützung in Anspruch genommen wird. Gleichzeitig macht es darauf aufmerksam, dass es einen sicheren Ort gibt, an den sich Frauen und Mädchen, die Gewalt erleben, sowie deren Angehörige jederzeit wenden können: Die Frauenhelpline gegen Gewalt ist rund um die Uhr, kostenlos, anonym und vertraulich unter 0800-222-555 erreichbar. Bei jedem Anruf wird zugehört, die individuelle Situation eingeordnet, sichere Handlungsschritte werden aufgezeigt und, wenn gewünscht, wird mit spezialisierten Beratungsstellen verbunden. Jede Anruferin entscheidet selbst, welche Schritte sie gehen möchte.
![]() Über die Frauenhelpline gegen Gewalt 0800-222-555
Die Frauenhelpline bietet betroffenen Frauen und Mädchen in Österreich rund um die Uhr kostenlose und anonyme Unterstützung. Mehrsprachige Beraterinnen stehen zur Verfügung, um in akuten Krisen zu unterstützen, Orientierung zu bieten und sichere Handlungsschritte aufzuzeigen. Als zentraler Teil des österreichischen Gewaltschutznetzes ermöglicht die Frauenhelpline nicht nur eine Situationsanalyse und die Planung gemeinsamer Schritte, sondern auch rasche Verbindungen zu Beratungsstellen, Gewaltschutzzentren, Frauenhäusern, Polizei und rechtlicher Unterstützung. Mit ihrem direkten Fokus auf geschlechtsspezifische Gewalt setzt die Frauenhelpline ein starkes Zeichen: Niemand muss Gewalt alleine bewältigen. Ein Anruf kann der entscheidende Schritt in ein sicheres Leben sein.
Aktuelle Zahlen im Überblick
In Österreich erleben 35 Prozent der Frauen zwischen 18 und 74 Jahren im Laufe ihres Lebens körperliche und/oder sexualisierte Gewalt – ein Wert, der die Dringlichkeit umfassender Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen deutlich macht. Trotz des rund um die Uhr verfügbaren, kostenlosen und anonymen Angebots der Frauenhelpline gegen Gewalt kennen jedoch nur rund 62 Prozent der Frauen diese zentrale Anlaufstelle (Quelle: Statistik Austria, 2022). Besonders besorgniserregend sind zudem die aktuellen Daten zu Femiziden: Laut AÖF-Erhebung aus dem Jahr 2024 waren von 27 getöteten Frauen 14 über 60 Jahre alt. Obwohl ältere Frauen damit überproportional häufig Opfer tödlicher Gewalt werden, sind sie in Unterstützungsstrukturen stark unterrepräsentiert; sie machen weniger als acht Prozent der Anruferinnen bei der Frauenhelpline und nur zwei Prozent der Bewohnerinnen in AÖF-Frauenhäusern aus. Diese Diskrepanz zeigt gravierende Unterstützungslücken auf. Sie macht deutlich, wie wichtig verstärkte Sensibilisierung, zielgruppengerechte Aufklärung, verpflichtende Schulungen im Gesundheits- und Pflegebereich, der Ausbau barrierefreier Frauenhausplätze sowie spezifische Unterstützungsangebote für pflegebedürftige Betroffene sind. Was Sie tun können Teilen Sie das Sujet. Sprechen Sie mit. Leiten Sie Hilfe weiter und unterstützen Sie uns mit einer Spende:
AÖF-Spendenkonto: Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser IBAN: AT77 2011 18413644 3300 BIC/SWIFT: GIBAATWWXXX www.aoef.at/finanzielle-unterstuetzung (SEPA, Paypal, GooglePay)
Weitere Kampagnen, Aktionen und Vorträge im Rahmen der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ finden Sie in unserem Online-Kalender und auf unserer Website www.aoef.at. Wir danken unseren Kooperationspartner*innen und setzen gemeinsam ein klares Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Sujet-Design: © Steffi Sobotka / https://www.elfinger.at/
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Foto-Credit: Landesmedienservice Burgenland / Christoph Novak
Dieses Jahr feiert das Frauenhaus Burgenland sein 20-jähriges Bestehen. Seit 2004 bis heute hat das Frauenhaus Burgenland 651 gewaltbetroffenen Frauen und 686 Kindern Schutz, Sicherheit, Beratung und Perspektive geboten. Gewalt in der Partnerschaft ist – besonders auch in Zeiten der Nachwirkung von Wirtschafts- und Gesundheits-Krisen – leider nach wie vor allgegenwärtig.
Wie schon in den vergangenen Jahren die Frauenhäuser Linz, Steyr, Neunkirchen, Wr. Neustadt, Vöcklabruck und Ried hat auch das Frauenhaus Burgenland sein Jubiläum gebührend begangen: Das Team des Frauenhauses lud zu einer Fachtagung im Kulturzentrum Eisenstadt inkl. Vorträgen, einer Interviewrunde unter dem Titel „Rückblick auf 20 Jahre Frauenhaus“ und einer Podiumsdiskussion „Status quo und Zukunftsperspektiven“. Das Rahmenprogramm des Festakts umfasste einen Auftritt der Band Yasmo & die Klangkantine und die Kunstausstellung „totgeliebt“. Die Politik war u.a. durch die burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf und Soziallandesrat Leonhard Schneemann vertreten.
Die Mitarbeiterinnen der AÖF-Informationsstelle, der Frauenhelpline, des HelpChats, von StoP und dem Bakhti-Zentrum bedanken sich herzlich beim gesamten Team der Frauenhauses Burgenland und wünschen alles Gute und weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen für die Zukunft! Mögen noch viele Jahre gemeinsame Arbeit folgen.
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