PA 04.03.2021: Salzburg verliert ein Drittel der geschützten Frauenhausplätze

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      Presseinformation

      Salzburg verliert ein Drittel der geschützten Frauenhausplätze:
      Vollkommen unverantwortlich – erst recht in dieser Krisenzeit

      Gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder sind kein Spielball der Politik – sie haben ein Recht auf Schutz, Sicherheit, qualitätsvolle und umfassende Unterstützung in einem Frauenhaus

      Salzburg, 4.3.2021. Frauenhäuser sind die Grundpfeiler im Gewalt- und Opferschutz. Sie verfügen über die wichtigsten Qualitätsmerkmale im Opferschutz: Sie bieten geschützte, sichere und stabile Unterkünfte für alle Frauen und deren Kinder, die aufgrund von Partnergewalt und familiärer Gewalt vor ihrem Gewalttäter flüchten müssen. Sie bieten umfassende Hilfe, aber auch individuelle Unterstützung für jede einzelne Frau und jedes einzelne Kind und begleiten sie auf dem Weg in ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben. Frauenhäuser stehen eindeutig auf der Seite der betroffenen und hilfesuchenden Frauen und Kinder.

      Qualitätsvolle Frauenhäuser – wie es sie in Österreich in jedem Bundesland gibt – dürfen nicht mutwillig zerstört werden. Das ist politisch unverantwortlich. Diese Unverantwortlichkeit, Unvernunft und Fahrlässigkeit hat leider in Salzburg gesiegt und niemand konnte und wollte dies stoppen, weder die Salzburger Landesregierung, noch die Parteien oder die Frauenministerin.

      Nach der sinnlosen und unfairen Ausschreibung und einem monatelangen Ringen um den Erhalt dieser beiden Häuser müssen wir das Salzburger Frauenhaus neuen – in der Frauenhausarbeit völlig unbedarften, unerfahrenen – Betreibern überlassen und das Frauenhaus in Hallein wird ganz zugesperrt.

      Jahrelange Expertise und anerkannte Standards werden ignoriert

      Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser – als Dachorganisation der autonomen Frauenhäuser – hat sich an der Ausschreibung beteiligt, um die langjährige engagierte Arbeit im Gewalt- und Opferschutzbereich weiterführen zu können. Der Verein AÖF mit der längsten internationalen und nationalen Expertise im Frauenhaus- und Gewaltschutzbereich wurde von der Kommissionsjury, in der keine einzige ehemalige oder aktuelle Mitarbeiterin eines Frauenhauses war, dequalifiziert und nicht nachvollziehbar schlecht bewertet. Von Fairness und Transparenz und vorbildlicher Abwicklung dieser Ausschreibung kann aus Sicht des Vereins AÖF keine Rede sein.

      Und das Ergebnis ist nun, dass in Zeiten der durch Corona verursachten Krise und der damit nachweislich erhöhten Zahl von Gewaltvorfällen in den Familien dringend benötigte geschützte Frauenhausplätze gestrichen werden. Und noch viel schlimmer ist es, dass nun in der Frauenhausarbeit völlig Unerfahrene mit neuen, noch nirgends erprobten Konzepten herumexperimentieren dürfen. Ein Vergleich: Würden verantwortungsbewusste EntscheidungsträgerInnen in der jetzigen Situation die Intensivstationen umstrukturieren, Betten dort reduzieren und die Betreuung in unerfahrene Hände legen?

      Die seit mehr als 30 Jahren existierenden und nach anerkannten Qualitätsstandards geführten Frauenhäuser in Salzburg und Hallein und die Arbeit der Mitarbeiterinnen wurden und werden laufend politisch und medial diffamiert. Ein politischer Stil und eine Tradition, die es bisher in Österreich im Umgang mit Frauenhäusern, die sich seit Jahrzehnten für die schutzbedürftigsten Gruppen in unserer Gesellschaft einsetzen, noch nie gegeben hat.

      Das Bundesland Salzburg verliert durch die Schließung des Halleiner Frauenhauses 8 sichere und geschützte Frauenhausplätze und 12 Kinderplätze – das ist ein Drittel der Frauenhausplätze – und eine bewährte und in der Region bekannte Anlaufstelle für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder. Die Schließung von Frauenhäusern steht im Widerspruch zu den Plänen in den anderen Bundesländern, die die Kapazitäten ihrer Frauenhäuser ausbauen. So wird in Wien gerade das 5. Frauenhaus gebaut und in Tirol und Oberösterreich sind weitere 6 Häuser mit zusätzlichen Plätzen für Frauen und Kinder in Planung.

      Sogenannte „Schutzwohnungen“ sind keine Alternative

      Die vielfach propagierten „Schutzwohnungen“ sind keine Alternative zu den bestehenden Frauenhausplätzen und sind daher aus Opferschutz- und Gewaltschutzperspektive völlig abzulehnen. Sie bieten keine ausreichende und notwendige Sicherheit, ganz im Gegenteil, sie können Frauen und Kinder noch mehr gefährden und schädigen. Frauen und Kinder, die eine Mitarbeiterin benötigen, die rund um die Uhr erreichbar ist, sind nur in einem Frauenhaus und nicht in einer einzelnen externen Wohnung sicher und geschützt. Ganz besonders gefährlich und bedenklich sind diese Einrichtungen, wenn sie in einer Wohnhausanlage untergebracht werden, die in den allgemein zugänglichen Bereichen kaum mit ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet werden können.

      Unerhört stigmatisierend für Gewaltopfer ist auch die öffentlich getätigte Aussage, „man wolle die Frauen in Wohnungen ohne Sicherheitskonzept unterbringen und sie sichtbar machen, aber die psychisch belasteten Frauen könnten ja in ein Frauenhaus gehen“. Aber diese Frauen, die die Flucht in ein Frauenhaus schaffen, sind mutige und starke Frauen. Sie überwinden ihre oftmals große Angst, um sich und ihre Kinder vor ihren Misshandlern zu schützen.

      Bedenklich ist auch, dass unter dem Dach der neuen Betreiber sowohl Opferschutzarbeit als auch die Täterarbeit und Männerberatung (Männerwelten) angesiedelt ist. Das ist ein fatales Signal und wird das Vertrauen der betroffenen Frauen sicher nicht stärken.

       

      Kontakt:
      AÖF – Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
      Mag.a Maria Rösslhumer, GF
      Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. 
      Tel.: 0664 793 07 89
      www.aoef.at 

       

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      Stand: 24.2.2024

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        Femizide

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        Mord- versuche / Schwere Gewalt

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