Aviso / Presseaussendung
Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)

MARVOW 2.0 stärkt Gewaltschutz für ältere Frauen – Einladung zum Online-Abschlussevent am 23. März 2026
Das europäische Projekt MARVOW 2.0 zeigt in seiner Abschlussveranstaltung, wie Schutz und Unterstützung für ältere Frauen verbessert werden können.
Wien, 20. März 2026. Gewalt gegen ältere Frauen bleibt häufig unsichtbar, unter anderem weil ihre Lebenssituationen durch komplexe Faktoren wie Abhängigkeiten, Krankheit oder Isolation geprägt sind. Unterstützungsangebote und Schutzstrukturen sind oft nicht ausreichend auf diese spezifischen Herausforderungen abgestimmt.
Das europäische Projekt MARVOW 2.0 (Multi-Agency Response to Violence against Older Women) setzt genau hier an und liefert konkrete Vorschläge, um Schutz und Unterstützung nachhaltig zu verbessern. Seit 2023 haben neun europäische Partnerorganisationen gemeinsam mit zahlreichen Expert*innen daran gearbeitet, eine koordinierte, multidisziplinäre Antwort auf diese oft übersehene Form von Gewalt zu stärken. Fachkräfte wurden gezielt geschult, die Zusammenarbeit zwischen Opferschutzeinrichtungen verbessert und praxisnahe Instrumente für den Arbeitsalltag entwickelt.
Gewalt im Alter: unterschätzt, untererfasst – und oft unsichtbar
Gewalt endet nicht mit einem bestimmten Alter. Aktuelle europäische Studien zeigen: Rund ein Viertel der Frauen zwischen 65 und 74 Jahren hat bereits geschlechtsspezifische Gewalt erlebt. Gleichzeitig bleibt ein Großteil der Fälle verborgen: Viele Betroffene sprechen nicht darüber, EU-weit meldet nur etwa jede achte Betroffene Gewalt. Gerade im höheren Alter wird Gewalt häufig nicht erkannt. Abhängigkeiten, gesundheitliche Einschränkungen, soziale Isolation oder Scham erschweren es Betroffenen zusätzlich, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Hinzu kommt eine strukturelle Lücke: Europäische Datenerhebung endet bei 74 Jahren, wodurch die Situation von Frauen über 75 kaum erfasst ist.
| " Wir wissen aus früheren Projekten und aus besonders auch aus unserer eigenen Praxis, dass die koordinierte Zusammenarbeit der unterschiedlichen Unterstützungsdienste zentral ist. Mit MARVOW 2.0 bieten wir konkrete Ansätze, wie koordinierte multi-institutionelle Zusammenarbeit tatsächlich umgesetzt werden kann – und stellen Werkzeuge zur Verfügung, die Fachkräfte im Alltag unterstützen. - Martina Knoll, Projektkoordinatorin MARVOW 2.0 |
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Von der Erkenntnis zur Umsetzung: Zusammenarbeit konkret gestalten
Die Effektivität des Schutzes hängt dabei maßgeblich von der Kooperation verschiedener Institutionen ab, insbesondere von Opferschutzeinrichtungen, Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, sozialen Diensten, der Polizei, der Justiz und von Täterprogrammen. Diese Zusammenarbeit ist sowohl auf individueller Ebene als auch im Rahmen struktureller Maßnahmen erforderlich, um eine umfassende und wirksame Prävention und Intervention zu gewährleisten.
Konkrete Werkzeuge für die Praxis
Im Projekt MARVOW 2.0 wurden nachhaltige Ergebnisse erzielt, die Fachkräfte direkt unterstützen:
- Ein Handbuch zur Gestaltung koordinierter multiinstitutioneller Zusammenarbeit bei Fällen von Gewalt gegen ältere Frauen
- Eine spezifische Risikofaktoren-Checkliste zur Einschätzung von Gewalt gegen ältere Frauen, die gängige Tools ergänzen
- Trainingsprogramme für unterschiedliche Berufsgruppen
- Politische Empfehlungen zur langfristigen Stärkung von Gewaltschutzstrukturen
Diese Instrumente tragen dazu bei, Gewalt gegen ältere Frauen besser zu erkennen, angemessen zu reagieren und die Zusammenarbeit zwischen Institutionen strukturiert zu gestalten.
Österreichische Beteiligung
In Österreich war der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) als Projektkoordinatorin maßgeblich beteiligt. Die im Projekt entwickelten Ansätze sollen nun weiter verbreitet und in bestehende Systeme integriert werden, um den Gewaltschutz für ältere Frauen nachhaltig zu stärken.
Weiterhin großer Handlungsbedarf
Trotz Fortschritten bleibt Gewalt gegen ältere Frauen in Politik und Praxis oft unzureichend berücksichtigt. Prävention, Schutz und Unterstützung orientieren sich noch zu selten an den spezifischen Lebensrealitäten älterer Frauen. Auch der Umgang mit älteren Tätern sowie die langfristige Absicherung von Maßnahmen stellen weiterhin Herausforderungen dar.
Statistikquellen: EUROSTAT, FRA, EIGE: EU gender-based violence survey, 2024
Titelbild: A M/unsplash
Einladung zum Online-Abschlussevent
Zum Abschluss des Projekts laden wir herzlich zum öffentlichen Online-Event ein: Das Event bietet Einblicke in zentrale Projektergebnisse und zeigt, wie koordinierte Zusammenarbeit in der Praxis gelingen kann.
Datum: 23. März
Uhrzeit: 10:00 Uhr
Ort: Online: https://us02web.zoom.us/j/83446656974?pwd=IT5lSjhfFeqcE2z5azz96b2esUwxrk.1
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!
Rückfragen
Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)
Martina Knoll
Projektkoordinatorin MARVOW 2.0
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