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Kommentar Rosa Logar Jänner 2008

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Kampagne des Europarates gegen häusliche Gewalt an Frauen

„Stop der häuslichen Gewalt an Frauen“ ist der Titel der Kampagne, die der Europarat derzeit in allen 47 Mitgliedstaaten durchführt. Diese Kampagne ist notwendig, da Gewalt an Frauen in Europa immer noch ein gravierendes Problem darstellt. Tausende Frauen flüchten in Europa täglich mit ihren Kindern vor der Gewalt durch Ehemänner und Lebensgefährte und finden, wenn sie Glück haben, in Frauenhäusern Zuflucht.  Frauen und Kinder sind häufig gemeinsam Opfer  und Gewalt an Frauen  ist auch Gewalt an den Kindern wenn sie miterleben, wie die Mutter  misshandelt wird,  Verletzungen sehen, Drohungen hören oder gemeinsam mit der Mutter flüchten müssen. Gewalt  im sogenannten Privatbereich war lange Zeit ein Tabu und es ist ein zentrales Ziel der Europaratskampagne, das Schweigen zu brechen und Opfer zu ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Genau darauf zielt die Kampagne der Bundesministerin für Frauen ab denn es ist bekannt, dass viele Betroffenen nicht einmal wissen, wo sie sich mit ihrem Problem hinwenden können.  Die Plakataktion der Bundesministerin macht auf das Problem  aufmerksam und sie informiert  darüber, dass die bundesweiter Frauenhelpline den Opfern sowie auch Personen im Umfeld, Tag und Nacht  kostenlos Hilfestellung anbietet.

Warum eine Kampagne mit dem Schwerpunkt Gewalt an Frauen in der Familie? Gewalt in der Familie kann jede Person betreffen, die Fakten aus Forschung und Praxis zeigen jedoch, dass  Frauen überdurchschnittlich oft Gewalt erleiden. Die Vereinten Nationen sprechen in ihrer jüngsten Studie zu gegen Gewalt an Frauen von geschlechtsspezifischer Gewalt  als spezieller Form von Übergriffen, die Frauen erleiden, weil sie Frauen sind oder die Frauen überproportional häufig betrifft. Die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie erhält von der Polizei Berichte nach Interventionen Gewalt in der Familie und unterstützt alle Opfer familiärer Gewalt, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft. Es ist jedoch kein Zufall, dass mehr als 90% der Opfer familiärer Gewalt  weiblich und die Täter zu über 90% männlich sind. Dies hat mit den geschichtlichen  und gesellschaftspolitischen Wurzeln des Problems zu tun, das historischen gewachsenen  ungleichen Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen und das lange verbrieften Recht des Mannes „seine“ Frau zu „züchtigen“ sind Ursachen dafür. Gewalt an Frauen muss daher im Kontext der Beendigung aller Diskriminierungen gegenüber Frauen und der Förderung von Gleichstellung von Frauen und Männern behandelt werden, so Thomas Hammarberg, Menschenrechtskommissar des Europarates.  Eine Haltung, die Ursachen der Gewalt an Frauen  verschleiert, das Problem relativiert oder aufrechnet, weil  auch Männer Opfer von Gewalt werden,  hilft im besten Fall nicht weiter und verhindert  im schlimmsten Fall wirkungsvolle präventive Maßnahmen.

Kein Mann, der gewalttätiges Verhalten von Männern gegenüber Frauen ablehnt, wird eine Kampagne gegen Gewalt an Frauen als Kampagne gegen Männer oder  Väter  interpretieren oder darin sogar eine Diskriminierung von Männern sehen. Er wird diese vielmehr als wichtige und notwendige Maßnahme gegen gewalttätiges Verhalten - nicht gegen Männer! – unterstützen. Thomas Hammarberg stellt fest, dass  Verhinderung von Gewalt an Frauen überall in Europa eine hohe Priorität haben sollte und lobt in seinem jüngsten Bericht zur Menschenrechtlage die Vorreiterrolle  Österreichs in diesem Bereich. Er  zeigte sich, so heißt es im Bericht wörtlichen,  von den langfristigen Bemühungen Österreichs, Gewalt gegen Frauen zu unterbinden, beeindruckt. Sowohl die Behörden als auch die Zivilgesellschaft hätten aktiv bei der Entwicklung der gegenwärtigen Schutzmaßnahmen mitgewirkt. Der Kommissar befürworte weitere Anstrengungen zur Verbesserung der Schutzangebote für die Opfer und der Ausbildung der Behördenvertreter, damit allen Gewaltopfern die Aufmerksamkeit zuteil wird, die ihnen zukommt. Die Kampagne von  Bundesministerin Doris Bures ist zweifellos eine weitere wichtige Initiative zur Verbesserung der Hilfen für die Betroffenen und sollte von allen Institutionen und Personen, Frauen wie Männern, unterstützt werden.

Rosa Logar

Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie und Mitglied der Task Force to Combat Violence against Women, including Domestic Violence des Europarates

 

 

 

 

 

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