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Leserinnenbrief Der Standard Jänner 2008

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LeserInnenbrief als Antwort auf den Kommentar von Prof. Gerhard Amendt in Der Standard am 3. Jänner 2008

Herr Prof. Amendt wunderte sich in seinem „Kommentar der Anderen“ über die, seiner Meinung nach, ungerechte Plakatkampagne der Frauenministerin Doris Bures, die damit auf immer noch tabuisierte häusliche Gewalt aufmerksam machte sowie die nationale Frauenhelpline gegen Männergewalt bewarb.

Befremdlich wirkt die Argumentation des Prof. Amendt, wonach er mit einer Männerbefragung zu subjektiven Gewalttheorien internationale Studien widerlegt sieht. Die Bewerbung der Frauenhelpline, die im Jahr 2006 über 7000 Anrufe beantwortete, passierte im Zuge der Europaratskampagne „Halt der Gewalt“, die von November 2006 bis März 2007 in allen 47 europäischen Mitgliedsländern läuft. Laut internationalen Zahlen von UNO und Europarat sind 12-15% aller Frauen regelmäßig von häuslicher Gewalt betroffen und bis zu 25% aller Frauen mindestens einmal im Lauf ihres Lebens. Alleine in Wien 2006 gingen bei der Polizei 4189 Anzeigen bezüglich häuslicher Gewalt ein, wobei 91% der Opfer weiblich und 92% der Gefährder männlich waren. Diese Zahlen (so eine detaillierte Aufzeichnung existiert) sind europaweit verblüffend ähnlich.

Der Bereich Gewalt und vor allem Gewalt in Beziehungen ist extrem komplex und ist von gesellschaftlichen und daher auch von patriarchalen Strukturen beeinflusst. Bis vor 10 Jahren war häusliche Gewalt in Österreich noch nicht strafbar und ist es in den meisten Ländern immer noch nicht, da dies „Privatangelegenheiten“ sind. Die Argumentation, dass die Opfer selbst Schuld an der erlebten Gewalt und Bedrohung haben ist ein für die Täter hilfreiches psychologisches Konstrukt der Projektion und wurde in der von Prof. Amendt durchgeführten Männerbefragung schön illustriert. Die Notwendigkeit von gezielter Männlichkeitsarbeit besteht jedoch nach wie vor, wobei durchaus auch Männer aktiv an einem alternativen Männerbild und Konfliktverhalten arbeiten, wie z.B. innerhalb der White Ribbon Kampagne.

 

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